Du weißt, du wohnst in Köln, wenn ... mindestens einer deiner Nachbarn Schmitz heißt

Könnte man fast meinen, oder?

Zum Beispiel, wenn man hier auf der Aachenerstraße spazieren geht:

Schmitz an Schmitz auf der Aachenerstraße in Köln
Die Hausnummer 34 gehört der „Bar Schmitz“, einem Restaurant mit Brasserie, Eisdiele und Cocktailbar. 

Direkt daneben gibt es die „Metzgerei Schmitz“. Wer hier allerdings Fleisch und Wurstwaren erwartet, der wird überrascht sein. In der ursprünglich ältesten Metzgerei der Stadt werden heute Kuchen, Quiches und Salate angeboten. Das Interessante ist aber, dass der Stil der Metzgerei beibehalten wurde. Dieser Anblick alleine ist schon ein Besuch wert. 

Noch ein Haus weiter befindet sich der Salon Schmitz. Ein Café mit Bar und Loungebereich im 50er/60er Jahre Stil. Und weil es gerade so schön ist, gibt es im Keller noch die Diskothek „Coco Schmitz“.

Und wer hier ein Kölsch trinken möchte, bestellt sich ein … na? …. Richtig! … Ein Schmitz Kölsch.

Das gibt es hier nämlich seit 2011. Eigentlich seltsam, dass erst so spät jemand auf die Idee gekommen ist, dem beliebtesten Gerstensaft der Stadt, den bekanntesten Namen der Stadt zu geben.

Wenn man sich die alten kölschen Lieder anhört, kommt auch immer mal wieder jemand vor, der Schmitz heißt …

Do es dat Schmitze Billa mit der Villa im Poppelsdorf, dä Schmitz, däm die Frau durchjebrannt es, die Frau Schmitz, die ihr Marieche sök oder die nette ahl Frau Schmitz, die sich so sehr üvver die Blömche op ihrem Finsterbrett freut.

…und wenn nicht, dann heißt der, der die Lieder gesungen hat Schmitz :) 

Das Denkmal von Jupp Schmitz

Wo wir gerade bei Denkmälern sind: Ist ja wohl klar, dass in einer Stadt, in der jeder zweite Schmitz mit Nachnamen heißt, diesem Namen auch ein Denkmal gesetzt wird. 
Nicht? Doch, in Köln schon. 

Die Schmitzsäule steht in der Altstadt hinter dem Brigittengässchen:

Die Schmitz-Säule in der Kölner Altstadt
Hier habe ich diese Säule etwas näher beschrieben:

>>> Die Schmitz-Säule – ein Denkmal für den „Rheinischen Uradel“


Un am „Schmitz Backes“ bes du och noch nit vorbei

Es gibt in Köln die Redensart „Do bes noch lang nit lans Schmitz Backes“. Auf Hochdeutsch: „Du bist noch lange nicht am Schmitz Backes (Bäcker Schmitz) vorbei“.

Mit diesen Satz wird in Köln gerne mal jemand gewarnt. Er bedeutet: "Du hast noch lange nicht alles überstanden" bzw. "Das Schlimmste hast du noch vor dir":

Natürlich gibt es, wie bei jeder Redensart, viele Geschichten über ihre Entstehung. Eine davon ist diese:

Im Mittelalter kam es in Köln vor, dass Verbrecher zwar verurteilt wurden, sie aber nicht ins Gefängnis kamen, sondern man sie aus der Stadt gejagt hat. Sie mussten dann einen Weg lang laufen, der vom Frankenturm quer durch die Stadt bis zum Severinstor führte. Rechts und links am Straßenrand standen jede Menge Schaulustige, die Spaß daran hatten, dem Verurteilten mit Faust- und Stockschlägen den Weg noch mal extra schwer zu machen.

Am Ende der Straße, kurz vor dem erlösenden Severinstor, stand ein besonders brutales Mannsbild. Eben dieser Schmitz Backes. Mit seinem riesigen Brotschieber in der Hand konnte er es wohl gar nicht erwarten, auf den verlängerten Rücken des Delinquenten loszuprügeln. So hieß es also, solange du noch nicht am Bäcker Schmitz vorbei bist, solange hast du das Schlimmste auch noch nicht überstanden.

"Schmitz Backes" auf der Severinsstraße

Im Rheinland kommt der Name Schmitz tatsächlich am häufigsten vor

Wenn man alle Varianten dieses Namens (Schmied, Schmidt, Schmitt … ) zusammenzählt, gibt es in Deutschland rund 770.000 davon. Speziell der Name Schmitz ist in Deutschland etwa 80.000 Mal vertreten und davon kommen im Rheinland ca. 800 auf 1 Mio. Einwohner.

Oft ist es ja so, dass Familienamen ursprünglich von Berufsbezeichnungen abgeleitet wurden. Bei dem Namen Schmitz deutet der Name allerdings eher auf den Beruf des Vaters hin >>> der Sohn des Schmieds >>> Schmieds (Schmitz) Sohn.

Jetzt bleibt nur noch die Frage offen, warum es ausgerechnet im Rheinland so viele Leute mit dem Namen Schmitz gibt. Tja, das ist leider nicht offiziell geklärt.

Ich hätte da allerdings eine Erklärung parat:

Da die Söhne der ganzen Schmiede schon von klein auf mitbekommen haben, dass der Beruf ihres Vaters so ein richtig harter Knochenjob ist, haben sie sich nach und nach alle dazu entschlossen, in das lebenslustige Rheinland zu ziehen, um dort etwas weniger kräftezehrendes zu erlernen (natürlich wollten alle nach Köln, aber so viel Platz war hier ja damals auch nicht). 

Und weil hier so viele leckere Mädchen rumliefen (genau so wie heute), sind sie hier geblieben und haben sich fleißig vermehrt (irgendwo mussten sie ja schließlich mit ihren überschüssigen Kräften hin).

Aber wie gesagt, das ist nur (m)eine Theorie

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