Gräber erzählen Geschichte(n) - Die Grabstätte des Radrennfahrers Albert Richter


Anfang des 20.Jh war Köln die Hochburg des nationalen und internationalen Radrennsports. Ganz eng mit dieser Zeit verbunden, war der Radrennprofi Albert Richter. Zwischen 1932 und 1937 gehörte er nicht nur zu den besten Bahnsprintern der Welt, Richter war auch einer der bekanntesten deutschen Sportler überhaupt.

Grabstätte des Radprofis Albert Richter auf dem Melatenfriedhof

Geboren wurde Albert Richter 14.10.1912 in Köln-Ehrenfeld. Dort besuchte er auch die Volksschule in der Lindenbornstraße. Nach der Schule trat er dann erst einmal in die Fußstapfen seines Vaters und erlernte den Beruf des Gipsmodelleurs. Sein Herz hing allerdings am Radsport und so trat er ohne das Wissen seiner Eltern dem Radsportklub Arminius bei.

Als Amateur holte Richter zahlreiche Titel, die 1932 in Rom mit dem Weltmeistertitel der Amateure gekrönt wurden. Nach diesem Erfolg wechselte er ins Profilager und schaffte es auch dort an die Weltspitze.
Zwischen 1933 und 1939 wurde er 7 mal in Folge Deutscher Meister im Bahnsprint und zweimal Vize Weltmeister.

Richter wurde aber nicht nur für seine sportlichen Erfolge gefeiert. Er genoss, sowohl beim Publikum als auch bei der Presse, auch als Mensch ein hohes Ansehen. Er galt als introvertiert und geradlinig, wurde aber auch als naiv und gutgläubig beschrieben. Vor allem seine Sorglosigkeit den Nationalsozialisten gegenüber wurde ihm später zum Verhängnis.

Zwar stand der Radprofi dem Nationalsozialismus kritisch gegenüber, sah sich aber gezwungen, sich mit dem NS Regime zu arrangieren, um seine Karriere fortsetzen zu können. Nur an seinem jüdischen Manager Ernst Berliner, mit dem ihn auch eine tiefe Freundschaft verband, hielt Richter fest, womit er sich das Misstrauen der Nationalsozialisten zuzog.

Kurz nach dem Ausbruch des 2. Weltkrieges verließ Richter Deutschland und ging nach Frankreich. Nach eigenen Angaben nicht um sich der Wehrpflicht zu entziehen, sondern weil er es ablehnte, gegen Frankreich und somit gegen Menschen, die er liebte und denen er sehr viel zu verdanken hatte, die Waffe zu richten.

Ende 1939 reiste er in die Schweiz, um der Gestapo zu entfliehen. Obwohl er unter Beobachtung stand, versuchte er 12.700 Reichsmark in den Rädern seines Fahrrades über die Grenze zu schmuggeln. Dieses Geld hatte ihm 1938 der jüdische Textilhändler Alfred Schweizer kurz vor seiner Flucht aus Köln anvertraut. 
Das war allerdings ein sehr gewagtes Vorhaben, denn auf den Schmuggel von Devisen stand im nationalsozialistischen Deutschland die Todesstrafe.

Am 31.12.1939 kam es während einer Zugfahrt von Köln nach Basel zu einer Routinekontrolle, bei der die Geldscheine entdeckt wurden.
Es ist allerdings nicht auszuschließen, dass die Gestapo vorher einen Hinweis über Richters Vorhaben bekommen hat.
Richter wurde sofort verhaftet und in das das Gefängnis in Lörrach überführt, wo er sich nach offiziellen Angaben am 2.1.1940 das Leben nahm.

Der Selbstmord des Radprofis deckt sich allerdings nicht mit Indizien und Zeugenaussagen, denen zufolge Richter in der Nacht zum 3.Januar 1940 von der Gestapo gefoltert und anschließend hingerichtet worden war.

Beigesetzt wurde Richter am 10.1.1940 auf dem Ehrenfelder Friedhof, der heute mit zum Melatenfriedhof gehört.

Die Grabstätte befindet sich auf dem Feld E8.

Grabstätte Albert Richter Feld E8

Aber auch wenn die Bevölkerung große Anteilnahme am Tod des Radsportlers trug, geriet sein Andenken nach dem Krieg erst einmal in Vergessenheit. Erst in den 1990er Jahren erinnerte man sich wieder verstärkt an den einstigen Weltmeister. So wurde 1996 das neu erbaute Radstadion in Köln-Müngersdorf nach ihm benannt, wo seit 1997 eine Bronzetafel hängt mit der Inschrift:

„Zum Gedenken an Albert Richter – Opfer nationalsozialistischer Unmenschlichkeit"

2008 wurde Richter in die „Hall of Fame des deutschen Sports“ aufgenommen.


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