Das Reiterdenkmal vom Heumarkt

Das passt gerade so richtig gut, einen Artikel über das Reiterdenkmal vom Heumarkt zu schreiben. Warum?
Seit Anfang Juni sind die Herren, die um den Reiter herum stehen, „in Urlaub“ und wann kann man schon mal ein Bild von dem „nackten“ Sockel machen?


„In Urlaub“ heißt natürlich sie werden gerade restauriert. Dafür wurden sie abgebaut und auf eine Reise nach Regensburg geschickt.



Friedrich Wilhelm III (1797-1840) war der erste der fünf preußischen Regenten, die in der Zeit regierten, in der Köln unter preußischer Herrschaft stand. 

Während die anderen vier allerdings stolz und erhaben von der Hohenzollernbrücke über die Stadt blicken, gab es um das Denkmal von Friedrich Wilhelm III schon von Anfang an jede Menge Wirbel.


Die Errichtung des Denkmals stand von Anfang an unter keinem guten Stern

Besonders glücklich waren die Kölner ja eh nicht mit der preußischen Herrschaft und Friedrich Wilhelm III war wohl auch nicht der beliebteste unter den Regenten.
Da wundert es nicht, dass kaum Kölner Bürger dazu bereit waren, Geld zu spenden, als der Kölner Bürgermeister zum  50. Jahrestag der Preußenherrschaft dem König ein Denkmal setzen wollte.

Auch haben sich nicht wirklich viele Künstler darum gerissen, das Ehrenmal zu entwerfen. Bis sich schließlich die Bildhauer Gustav Blaeser und Hermann Schievelbein bereit erklärten, verging noch eine ganze Weile (daran hat sich in Köln bis heute nichts geändert). 

Eingeweiht wurde es dann im Jahr 1878. Allerdings nicht ganz ohne einen kleinen Seitenhieb in Richtung preußische Obrigkeit. So standen nämlich zwischen Ministern und Generälen auch einige Zivilisten und Reformer auf dem Sockel. Eigentlich ein No-Go im preußischen Militärstaat.

Beide Bildhauer starben übrigens noch vor der Fertigstellung (Blaeser 1874 und Schievelbein 1867).



Mit Pädsfott und Styroporkönig zum neuen Denkmal

Nachdem Pferd und Reiter im Krieg komplett zerstört wurden, hat man das Denkmal abgetragen und die Sockelfiguren im Stadtgebiet verteilt. Die Reste der Statue wurden, bis auf den Kopf des Königs und das Hinterteil des Pferdes, eingeschmolzen.

Und genau dieser Pferdehintern kam 1982 wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit, als die Stadtkonservatorin Hiltrud Kier ihn mitten auf den Heumarkt setzen ließ. Sie wollte damit ein Zeichen gegen einen geplanten Hotelbau auf dem Platz setzen. Den Schweif natürlich demonstrativ gen Rathaus gerichtet.

Nach dieser Aktion begann dann eine Diskussion über eine eventuelle Rekonstruktion des Denkmals.
1984 stellte man auch tatsächlich erst mal (erst mal!) einen provisorischen Sockel auf. Ein Jahr später kamen dann die Sockelfiguren so nach und nach an ihren Platz. Und siehe da, plötzlich kam auch der König wieder. Naja, fast.

Dem Bildhauer Herbert Labusga ging das Ganze anscheinend nicht schnell genug und so hat er dann einfach den Reiter aus Styropor nachgebildet und ihn 1985, praktisch in einer Nacht und Nebel Aktion, auf den Sockel gesetzt.

Hier habe ich ein Interview mit Labusga gefunden, indem auch diese Aktion erwähnt wird >>> Link zum Artikel in der Kölner Rundschau

Das hat jedenfalls dazu geführt, dass die Stadt (wenigsten ein bisschen) voran machte und 1990 (!) kam dann ein echter Reiter aus Bronze auf den Platz.

Aber es geht noch weiter …

Köln wäre ja schließlich nicht Köln, wenn Pferd und Reiter seitdem ihre Ruhe hätten. 2001, also gerade mal 10 Jahre später, stellte man fest, dass die Beine des Pferdes porös geworden sind. Ein Gestell musste her, um das Pferd abzustützen. Und so sah man dann lange Zeit das Pferd des Reiterdenkmals nur noch mit Krücke auf dem Sockel stehen >>> hier ein Bild dazu

Bis es dann 2007 langsam wirklich zu gefährlich wurde und man das Pferd mit dem König drauf, aus Gründen der Sicherheit, wieder abgebaut hat J
Es wurde zum Godorfer Hafen gebracht, wo es gelagert wurde und auf seine Genesung wartete … und wartete … und …. na ja eben weiter wartete. Es war nämlich erst einmal kein Geld da. 

Diesmal war es Oberbürgermeister Fritz Schramma der sich, zusammen mit dem Kölner Verkehrsverein, für das Denkmal einsetzte. Dazu wurde sogar eine Interessengemeinschaft, die IG Päd, gegründet. Es dauerte aber noch bis 2009, bis der König wieder auf dem Heumarkt stand.

Und da steht er. Bis jetzt. Was aber nicht heißt, dass die Sanierungsarbeiten abgeschlossen sind. Das Preußenjahr 2015 wäre jetzt eigentlich ein guter Zeitpunkt gewesen, um ein fertiges Denkmal zu präsentieren … aber die Herren sind ja in Urlaub. 

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