Zwei Autos - zwei Kunstwerke - zwei Aufreger

Das eine thront flügelschwingend auf dem Dach des Stadtmuseums. Fast so, als könne es sich jeden Moment in die Lüfte erheben und einen Rundflug über die Stadt starten. 
Das andere fristet sein mehr oder weniger trauriges Dasein mitten auf den Kölner Ringen.

 
Flügelauto auf dem Zeughaus

Die Autos haben aber auch Gemeinsamkeiten: Beides sind Kunstwerke. Gut, darüber kann man auch geteilter Meinung sein.
Aber beide Autos erregten zu ihrer Zeit ganz schönes Aufsehen.

Bei dem „Goldenen Vogel“ handelt es sich um einen goldlackierten Ford Fiesta mit Flügeln. Er wurde von dem Aktionskünstler HA Schult 1989 im Rahmen der Kunstaktion „Fetisch Auto“ geschaffen, die wiederum anlässlich des 60-jährigen Gründungsjubiläums der Fordwerke in Köln stattfand. Seit April 1991 steht der Vogel auf dem Dach des Stadtmuseums. 

Sein „Nest“, der aus dem 16. Jahrhundert stammende Treppenturm, ist 20m hoch und hat einen Durchmesser von 3,50m.  Schon etliche Male sollte das Auto seinem Platz weichen. Ganz besonders der damalige Regierungspräsident Franz Josef Antwerpes hatte sich deutlich gegen diesen „Schrottvogel“ ausgesprochen, weil dieser einen Eingriff in das geltende Denkmalrecht darstelle.
Erfolg hatten seine Bemühungen allerdings keinen. 2013 wurde „der Vogel“ generalüberholt und in einer spektakulären Aktion wieder auf den Zeughausturm gestellt.

Aber so ist das in Köln: Erst meckern alle rum, haben die Kölner sich aber erst an den Anblick gewöhnt, soll sich mal einer wagen, ihnen die neue Attraktion wieder wegzunehmen (außer Herr Antwerpes, der meckert wahrscheinlich immer noch).

Oder sagen wir es mit den Worten des Künstlers: "Politiker kommen und gehen, aber die Kunst, die bleibt."

Ruhender Verkehr – der Opel Kapitän vom Ring

Das Kunstwerk auf dem Ring trägt den Namen „Ruhender Verkehr“. Hierbei handelt es sich um einen Opel Kapitän mit dem amtlichen Kennzeichen K-HM 175, der von dem Künstler Wolf Vostell bei laufendem Motor und, soviel ich weiß, auch mit laufendem Radio in Stahlbeton gegossen wurde.

"Ruhender Verkehr" auf dem Ring

Die Betonieraktion selber fand allerdings nicht auf dem Ring, sondern 1969 in der Domstraße vor der damaligen Galerie „art intermedia“ statt und dauerte ganze 11 Tage.

Dieses Video zeigt einen Ausschnitt dieser Aktion. Hört euch unbedingt mal die Kommentare der Passanten an. Ich finde die haben so etwas richtig typisch (Ur) Kölsches.




Auf seinen heutigen Platz ist der Betonklotz erst 20 Jahre später gezogen. Zwischendurch hat er noch Abstecher nach Berlin und Paris gemacht und stand dann bis 1989 vor der Kölner Kunsthalle am Josef-Haubrich-Hof.

1993 kam der Wagen dann noch mal in den Blickpunkt der Öffentlichkeit, als Thomas Baumgärtel das Kunstwerk mit seinen Bananen „verschönerte“ und zu einem „Doppelkunstwerk“ machte >>> Link zum Bild. Das wiederum passte Vostell überhaupt nicht und so mussten die Bananen dann wieder entfernt werden. Obwohl ich ja finde, mit Bananen sah es wenigstens ein bisschen ansprechender aus. Aber ich sehe das ja auch nicht mit den Augen des Künstlers.

„Ein großer Künstler sieht die Dinge niemals so, wie sie sind. Wenn er sie so sähe, wäre er kein Künstler mehr.“

Oscar Wilde

Kommentare:

  1. Eine sehr schöne und passende Überschrift, die es genau trifft. Ich habe auch schon beides fotografiert, wobei mir das Flügelauto sehr, der Vostell-Betonblock natürlich gar nicht gefällt. Aber so ist Köln ;-)
    Liebe Grüße von meinem anderen Blog (auch Köln, aber nicht nur),
    Ingrid

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    1. Ja, das sehe ich genauso: Der Betonklotz ist so gar nicht mein Ding.
      Hab eben mal in deinen anderen Blog reingespingst. Du machst wirklich tolle Fotos. Werde mich da mal ein wenig weiter umsehen :)
      Viele Grüße und Danke fürs vorbeischauen
      Monika

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