Rund um die Ulrepforte

Letzte Woche habe ich der Ulrepforte einen Besuch abgestattet. Leider war ein Teil davon durch einen Bauzaun abgegrenzt. Nicht dass mich eine Baustelle in Köln wundert, aber dadurch konnte ich halt nicht von allen Seiten fotografieren. 

Ulrepforte
Die Ulrepforte war ein Teil der mittelalterlichen Stadtmauer und hat ihren Namen den früher hier ansässigen Töpfern (Ulnern) zu verdanken.
Wegen der Brandgefahr durften diese ihr Handwerk nur in wenig bewohnten Gebieten ausüben.

Ursprünglich war die Pforte zwar als Stadttor gedacht, da aber keine wichtigen Straßen in der Nähe lagen, wurde sie nicht wirklich als solches genutzt.
Deswegen hat man sie auch Mitte des 15. Jahrhunderts wieder zugemauert und zur Windmühle umgebaut (Karthäuser Mühle).

Das Windrad hat man leider, kurz nachdem die Stadtmauer 1881 abgerissen wurde, auch entfernt. Nur der Mühlengang ist noch erhalten geblieben.

Mühlengang der Ulrepforte

Heute ist die Ulrepforte das Quartier der Roten Funken, die den Turm 1955 in Erbpacht übernahmen und seitdem für seine Instandhaltung sorgen.  



Ein bisschen versteckt hinter dem Turm steht ein schlafender Funke an einen Torbogen gelehnt. 
Die Bronzestatue wurde von dem Bildhauer Willi Neffgen angefertigt und anlässlich des 175 jährigen Bestehens der Roten Funken am 11.11.1998 eingeweiht.  


Schlafender Soldat an der Ulrepforte

Stadtmauer am Sachsenring

Direkt bei der Ulrepforte, am Sachsenring, steht noch ein Teilstück der mittelalterlichen Stadtmauer mit zwei Halbtürmen. Man kann sogar noch den Stadtgraben erkennen. 

Stadtmauer am Sachsenring mit Stadtgraben
Der rechte Turm auf dem Bild, der mit dem Funkenmariechen auf dem Dach, ist seit 1970 die Herberge der Blauen Funken. Der andere Turm wurde 1980 von der Prinzengarde gekauft und restauriert. Seitdem dient er dem Verein als Quartier.

Mittelalterliche Stadtmauer am Sachsenring

Schlacht an der Ulrepforte

In der Nacht zum 15. Oktober 1268 war die Ulrepforte Schauplatz einer blutigen Auseinandersetzung. 
Der zuvor aus Köln geflohene Erzbischof Engelbert II von Falkenburg hatte vor, gegen die Overstolzen seine Macht zurückzuerobern. 
Hilfe hatte er dabei von der, ebenfalls aus der Stadt vertriebenen, Familie der „Weisen“.

Einer Sage nach wurde ein Schuster mit Namen Havenit, der direkt an der Mauer wohnte, mit 25 Mark bestochen einen Tunnel zu graben, durch den ein unbemerktes Eindringen in die Stadt möglich war. 
Allerdings flog der Plan auf und die Eindringlinge konnten getötet, in die Flucht geschlagen oder gefangen genommen werden. 

Tatsächlich wurde bei Bauarbeiten, welche die Prinzengarde in Auftrag gegeben hat, ein nachträglich zugeschütteter Durchgang entdeckt. 
Ob dieser etwas mit der Schlacht an der Ulrepforte zu tun hatte, ist allerdings nicht bestätigt. (Quelle: Artikel aus dem Stadtanzeiger

Stadtmauer mit dem Relief "Schlacht an der Ulrepforte"
An der Mauer befindet sich ein Relief, das an die Schlacht erinnert, bzw. eine Kopie des Reliefs. Das Original hängt im Kölner Stadtmuseum. 
Die Inschrift lautet:

Anno domini MCCLXVII zo der heiliger more naicht do wart hier durch de mure gebrochen

Diese Reliefplatte gilt als das älteste Profandenkmal Deutschlands. Gut möglich, dass es diesem Denkmal zu verdanken ist, dass dieses Stück Stadtmauer nicht irgendeiner Kölner Abrisswut zum Opfer gefallen ist. 

Kommentare:

  1. hosenträger i.R.29.03.2015, 23:25:00

    interessanter und schön zu lesender Artikel.
    Die Fotos sind dir ja auch ganz gut gelungen.

    Hinter der Mauer befindet sich die Städtische Berufsschule Ulrichgasse.
    Meine Fau und ich haben hier 3 Jahre lang, d.h. 1x wöchentlich lehrreiche Stunden verbracht.

    Mein Leben lang glaubte ich, die Ulrichgasse und die Ulrichpforte hingen
    in der Namensgebung unmittelbar zusammen.
    Ich dachte auch, Ulrepforte wäre so der Slangausdruck für das etwas vürnehm
    klingendere Ulrichpforte.

    Von den Ulnern habe ich noch nie etwas gehört. Das gibt mir zu denken ;))

    Ich versuche das aber in den nächsten Tagen selbst noch einmal zu recherchieren.
    Dat löss m'r nämmlisch jetz kein Rauh mieh. ;))

    wünsche dir eine stressfreie neue Woche

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ist ja lustig! Ich war auch auf der Berufsschule Ulrichgasse (1985 - 1988). Habe genau wie du gedacht, der Name der Pforte hinge mit der Gasse zusammen und habe den Turm dann entsprechend auch immer Ulrichpforte genannt (halt vürnehm ussjedrück ;) Tja man lernt eben nie aus.
      Wünsche dir auch eine schöne und entspannte Woche!
      Gruß Monika

      Löschen