Der Gülichplatz - kleiner Platz mit großer Geschichte

Dieser unscheinbare Platz am Rathaus gegenüber dem Farina-Haus hat eine sehr interessante Geschichte.
Er ist nämlich nicht nur nach Nikolaus Gülich benannt. Der einstige Kämpfer gegen den Kölner Klüngel hat hier tatsächlich gewohnt.

Gülichplatz gegenüber dem Farina-Haus
Nach Gülichs Hinrichtung im Jahre 1686 wurde sein Haus abgerissen, und verfügt, dass dieser Platz nie wieder bebaut werden dürfe. Daran hat man sich bis heute gehalten.  

Im Jahr 1680 fingen einige Kölner Bürger an, sich gegen die Vetternwirtschaft in der Kölner Stadtverwaltung zu erheben. Also praktisch gegen den „Urkölschen Klüngel“. Ihr Anführer war ein gewisser Nikolaus Gülich. Daher auch die Bezeichnung "Gülich-Aufstand" bzw. "Gülich'sche Rebellion“.

Es kam zum Sturz der Stadtoberen und der Einführung eines neuen Stadtrats. Nicht dass ich Herrn Gülich jetzt zu nahe treten möchte, aber das ist ihm wohl ein wenig zu Kopf gestiegen. Gülich ernannte sich selber zum Rechtsberater der Stadt (Syndicus), was ihm allerdings sogar bei seinen Anhängern wenig Sympathie einbrachte.

Als sich Gülich dann auch noch einer kaiserlichen Untersuchung widersetzte, wurde er verhaftet und am 23.Februar 1686 in Mülheim zusammen mit seinem Mitstreiter Abraham Sax enthauptet. 

Die Köpfe der beiden wurden am Bayen- bzw am Kunibertsturm aufgespießt. Das Haus von Gülich wurde abgerissen. Zur Abschreckung hat man mitten auf dem Platz eine Schandsäule errichtet, und es wurde vom Kaiser angeordnet, dass dieser Platz nie wieder bebaut werden dürfe. 

Radierung von Kaspar Benedikt Beckenkamp [Public domain], via Wikimedia Commons

Das Gülich letztendlich dann doch als Freiheitskämpfer geehrt wurde, hat er den Franzosen zu verdanken.
Nach deren Besetzung im Jahre 1794 ließen sie die Schandsäule 1798 abreißen. Den in Bronze gegossenen Kopf Gülichs, der oben auf der Säule angebracht war, kann man heute noch im Stadtmuseum ansehen.


Der Fastnachtsbrunnen

"Löblich ist ein tolles Streben ..."


Im Jahr 1913, also erst 115 Jahre nach dem Abriss der Schandsäule, wurde auf dem Platz der Fastnachtsbrunnen errichtet (wobei der in Köln ja eigentlich „Karnevalsbrunnen“ heißen müsste). 

Der Bronzebrunnen wurde nach Entwürfen des Bildhauers Georg Grasegger gefertigt. In der Mitte des Brunnens befindet sich eine Spindel, auf der eine trommelnde Putte thront. Auf dem Brunnen selber sind vier tanzende Paare angebracht. Den Brunnenrand ziert ein Zitat von Goethe aus dem Jahr 1825: 

"Löblich ist ein tolles Streben, wenn es kurz ist und mit Sinn. Heiterkeit zum Erdensleben sei dem flücht’ gen Rausch Gewinn."


Tanzendes Paar am Fastnachtsbrunnen

Tanzendes Paar am Fastnachtsbrunnen in Köln

Tanzendes Paar am Fastnachtsbrunnen Gülichplatz


Haus Neuerburg

Von der Zigarettenfabrik zum Standesamt


Zwischen 1923 und 1929 wurde im Auftrag des Kölner Zigaretten - Fabrikanten Heinrich Neuerburg am (nicht auf dem) Gülichplatz das „Haus Neuerburg“ erbaut. Bis 1960 war das Haus Firmensitz der Tabakfabrik, in der u.a. die Zigaretten der Marke Overstolz hergestellt wurden.



Rückseite des "Haus Neuerburg"

Turm "Haus Neuerburg"

Seit 2001 ist in dem unter Denkmalschutz stehenden Bau, neben verschiedenen Verwaltungsräumen, auch das Standesamt der Stadt Köln untergebracht.  




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