St. Maria in Lyskirchen - Schiffermadonna, Milieukrippe und Geistermessen

Die Kirche St. Maria in Lyskirchen steht direkt an der Rheinuferstraße zwischen der Deutzer- und der Severinbrücke. In etwa gegenüber des Schokoladenmuseums. 

Sie zwar die kleinste der 12 großen romanischen Kirchen in Köln, aber bestimmt nicht die uninteressanteste. Auch über die „Schifferkirche“ gibt es eine spannende Legende zu erzählen.

St. Maria in Lyskirchen
Die Kirche St. Maria in Lyskirchen hat schon so einiges durchgemacht. So überstand sie beispielsweise den Eisgang von 1783/84 weitgehend unversehrt. Am Haupteingang der Kirche erinnert heute noch eine Hochwassermarke an die größte Hochwasserkatastrophe in der Geschichte Kölns. 

Auch der Zweite Weltkrieg hat St. Maria in Lyskirchen weit weniger in Mitleidenschaft gezogen, als die anderen 11 großen romanischen Kirchen in Köln. Dadurch blieben glücklicherweise auch die großartigen Gewölbemalereien erhalten.

Schifferkirche
Den Beinamen "Schifferkirche" hat St. Maria in Lyskirchen wohl ihrer Nähe zum Rhein zu verdanken. Im Mittelalter sollen in dem Viertel um die Kirche herum die Rheinschiffer und Fischer gewohnt haben.

In der Kirche steht eine 2 Meter hohe Madonnenstatue, die auch Schiffermadonna genannt wird. Sie stammt aus dem frühen 15. Jhdt. kam allerdings erst im 19. Jahrhundert nach Köln. Anfangs stand die Statue in einer Nische außerhalb der Kirche, wo sie von den Rheinschiffern gesehen werden konnte und vermutlich auch von ihnen verehrt wurde. 

Gegen Ende des 19. Jhdt. hat man ihr dann ein Plätzchen in der Kirche gewährt. Die Nische, in der die Madonna heute steht, wurde 1930 von dem Kirchenmaler Peter Hecker mit Wandmalereien versehen, deren Motive sich ebenfalls auf den Rhein und die Schiffer beziehen.

Milieukrippe 
Die Kirche St. Maria in Lyskirchen ist auch Heimat der „Milieukrippe“. Das Besondere an dieser ungewöhnlichen Krippe ist, dass sie nicht nur die Heilige Familie zeigt, sondern auch Szenen aus dem Veedel. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Kulissen aus dem frühen 20. Jhdt. 

Viele der Figuren erinnern an Personen, die damals in der Gegend um die Kirche herum anzutreffen waren. Da ist beispielsweise der jüdische Apotheker, der im Veedel gelebt hat, und der vor dem 2.Weltkrieg nach Schweden ausgewandert ist, die Prostituierte, die in der Nächelsgasse ihre Dienste angeboten hat oder der Hafenarbeiter, der sein Geld als Taglöhner verdient hat. 

Mittlerweile sind aber auch Charaktere aus der heutigen Zeit dazugekommen, wie der Junkie oder die junge Roma Frau. 

Die Geistermessen von St. Maria in Lyskirchen
An Weihnachten geschieht aber noch etwas in dieser Kirche, von dem die Öffentlichkeit nichts mitbekommt. Und zwar treffen sich hier jedes Jahr am Heiligen Abend die Seelen der im Jahr zuvor verstorbenen Rheinschiffer zu ihrer letzten Messe. Erst danach begeben sie sich mit dem Schlepper des Todes auf ihre letzte Fahrt ins Jenseits. Spannend, oder? ;-)

Kommentare:

  1. Kennt jemand von den älteren Kölnern noch die Schifferfamilie Eckstein, die von mind. 1898 bis 1939 An St. Lyskirchen 18a wohnte?

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    1. Ups 1939. Damit kann ich leider nicht dienen. Aber vielleicht habe ich ja ein paar ältere Leser :)
      Sende dir aber auf jeden Fall mal viele Grüße

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