Die Sage vom Marsilius oder: Kölsche Mädche künne nit nur bütze

Die Marsiliussage ist doch irgendwie auch eine Geschichte über die Kölnerinnen

Marsilius ist einer der (vielen) Schutzpatrone von Köln und das hat er nicht zuletzt auch den kölschen Mädchen zu verdanken. Haben sie doch damals schon bewiesen, dass sie etwas ganz Besonderes sind. Und das nicht nur, weil sie gut küssen konnten (davon ist in der Sage nämlich nichts überliefert). Nein, weil sie ihren Mann standen, weil man sich auf sie verlassen konnte und weil sie eben da waren, als man sie brauchte.

Bildnis des Marsilius am Gürzenich
Es war im Jahr 69 n. Chr., in der Zeit, in der gleich vier Männer den Titel des römischen Kaisers anstrebten. Einer davon war Vitellius.

Er wurde von den germanischen Legionen in Köln (damals natürlich noch Colonia Claudia Ara Agrippinensium) zum Imperator erhoben. Das gefiel den Kölnern allerdings überhaupt nicht. Es war schließlich nicht besonders prickelnd, einen Kaiser direkt in der Nachbarschaft zu haben, und schon gar nicht so einen üblen Trunkenbold wie dieser Vitellius. Also beschlossen die Kölner, sich gegen den Kaiser zu wehren.

Das gelang anfangs wohl auch noch ganz gut. Sie hatten ja ihre Stadtmauer, und da ließen sie den Möchtegern Kaiser mit seinen Mannen erst gar nicht durch. Blöd war nur, dass den Kölnern irgendwann das Holz ausging und sie irgendwie in den Wald mussten, um Nachschub zu besorgen. 

Jetzt kommt der damalige Hauptmann Marsilius ins Spiel. Er hatte nämlich einen Plan. Als Männer verkleidet und mit Äxten und Holzkarren ausgerüstet, sollten sich die Kölnerinnen in Richtung Wald aufmachen, um die Gegner abzulenken. 

Das funktionierte auch, denn für Vitellius und seine Leute sah es erst einmal wirklich so aus, als wenn die Kölner Männer ihre Stadt verlassen würden, um Holz zu holen. Erst als sie zum Angriff starteten, bemerkten Sie, dass durch ein anderes Tor noch mal ein ganzer Trupp von diesen Kölnern auftauchte.

Man kann sich vorstellen, wie die Römer geguckt haben müssen, als sie bemerkten, dass sie von einer Horde Frauen reingelegt wurden. Damals war das mit dem Gender Mainstreaming ja noch nicht so ausgeprägt.

Jedenfalls gewannen die Kölner diesen Kampf und konnten Vitellius gefangen nehmen. Da aber so ein Kaiser nun mal lebendig mehr wert war als tot, nahmen sie von einer Hinrichtung Abstand und schwatzten ihm ein paar Privilegien ab. 

Noch bis ins Mittelalter sollen die Kölner diesem Ereignis zu Ehren einmal im Jahr, und zwar an dem Donnerstag vor Pfingsten, den Holzfahrttag gefeiert haben.

Heute erinnert noch der Marsilstein, eine Straße in der Nähe von St.Aposteln an Marsilius. 

Außerdem hängt am Gürzenich über dem Eingang zum Weinkeller ein Abbild des früheren Kölner Hauptmanns.


Natürlich handelt es sich hierbei um eine Sage, aber da es ja bei jeder Sage einen wahren Kern geben soll, würde es mich nicht wundern, wenn hier der wahre Kern die Tapferkeit der Kölnerinnen ist ;)





Die kölschen Mädchen von heute:





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