Die Heinzelmännchen von Köln


„Wie war zu Cölln es doch vordem,
mit Heinzelmännchen so bequem!...“

Der Heinzelmännchenbrunnen "Am Hof"


Die Kölner Heinzelmännchen. 
Als Kind hab ich diese Geschichte geliebt. In Ehrenfeld gab es damals noch das Urania Kino (also mit damals meine ich jetzt, als ich noch klein war. Oh man ist das schon lange her ;-) 

In diesem Kino gab es jeden Sonntag eine Vormittagsvorstellung mit Kinderfilmen, in der eben auch öfter der Film „Die Heinzelmännchen“ gezeigt wurde.  
 
Im Film war es eine Blume, die nur alle 100 Jahre blüht, die dafür sorgte, dass die fleißigen Knirpse den Kölnern nachts die Arbeit abnahmen. Was die Heinzelmännchen in der Sage nach Köln gelockt hat, weiß ich leider nicht (wenn ich es wüsste, hätte ich es bestimmt schon längst versucht ;-), ich weiß nur, wer sie wieder vertrieben hat.

Der Heinzelmännchenbrunnen, der sich in der Nähe vom Dom in der Straße Am Hof befindet, wurde vom Kölner Verschönerungsverein anlässlich des 100. Geburtstages von August Kopisch (1799–1853) gestiftet.

Dabei wurde anscheinend wohlwollend darüber hinweggesehen, dass der Maler und Schriftsteller August Kopisch mit seiner Ballade „Die Heinzelmännchen zu Köln“ eigentlich Kritik an der lockeren Lebenseinstellung der Rheinländer üben wollte. Aber egal, der Brunnen, der das Gedicht in Bildern erzählt, ist auf jeden Fall eins der schönsten Brunnendenkmäler, die es in Köln gibt.


Die Heinzelmännchen zu Köln

Wie war zu Köln es doch vordem, mit Heinzelmännchen so bequem!
Denn, war man faul,... man legte sich, hin auf die Bank und pflegte sich:

Da kamen bei Nacht, ehe man's gedacht, die Männlein und schwärmten,
und klappten und lärmten, und rupften und zupften,

und hüpften und trabten, und putzten und schabten...
…und eh ein Faulpelz noch erwacht, war all sein Tagewerk bereits gemacht! 


Die Zimmerleute streckten sich, hin auf die Spän' und reckten sich.
Indessen kam die Geisterschar und sah was da zu zimmern war.
Nahm Meißel und Beil und die Säg' in Eil; und sägten und stachen,
und hieben und brachen, berappten und kappten,
visierten wie Falken und setzten die Balken.
Eh sich's der Zimmermann versah...
…klapp, stand das ganze Haus schon fertig da!


Beim Bäckermeister war nicht Not, die Heinzelmännchen backten Brot.
Die faulen Burschen legten sich, die Heinzelmännchen regten sich.
Und ächzten daher, mit den Säcken schwer! 
Und kneteten tüchtig, und wogen es richtig.
Und hoben und schoben, und fegten und backten, und klopften und hackten.
Die Burschen schnarchten noch im Chor:
Da rückte schon das Brot,... das neue, vor!


Beim Fleischer ging es just so zu:
Gesell und Bursche lag in Ruh.
Indessen kamen die Männlein her
Und hackten das Schwein die Kreuz und Quer.
Das ging so geschwind
Wie die Mühl' im Wind!
Die klappten mit Beilen,
Die schnitzten an Speilen,
Die spülten,
Die wühlten,
Und mengten und mischten
Und stopften und wischten.
Tat der Gesell die Augen auf,...
Wapp! hing die Wurst da schon im Ausverkauf! 


Beim Schenken war es so: es trank
Der Küfer bis er niedersank,
Am hohlen Fasse schlief er ein,
Die Männlein sorgten um den Wein,
Und schwefelten fein
Alle Fässer ein,
Und rollten und hoben
Mit Winden und Kloben,
Und schwenkten
Und senkten,
Und gossen und panschten
Und mengten und manschten.
Und eh der Küfer noch erwacht,
War schon der Wein geschönt und fein gemacht! 


Einst hatt' ein Schneider große Pein:
Der Staatsrock sollte fertig sein;
Warf hin das Zeug und legte sich
Hin auf das Ohr und pflegte sich.
Das schlüpften sie frisch
In den Schneidertisch;
Da schnitten und rückten
Und nähten und stickten,
Und faßten
Und paßten,
Und strichen und guckten
Und zupften und ruckten,
Und eh mein Schneiderlein erwacht:
War Bürgermeisters Rock... bereits gemacht! 


Neugierig war des Schneiders Weib,
Und macht sich diesen Zeitvertreib:
Streut Erbsen hin die andre Nacht,
Die Heinzelmännchen kommen sacht:
Eins fähret nun aus,
Schlägt hin im Haus,
Die gleiten von Stufen
Und plumpen in Kufen,
Die fallen
Mit Schallen,
Die lärmen und schreien
Und vermaledeien!
Sie springt hinunter auf den Schall
Mit Licht: husch husch husch husch! - verschwinden all!


O weh! nun sind sie alle fort
Und keines ist mehr hier am Ort!
Man kann nicht mehr wie sonsten ruhn,
Man muß nun alles selber tun!
Ein jeder muß fein
Selbst fleißig sein,
Und kratzen und schaben
Und rennen und traben
Und schniegeln
Und biegeln,
Und klopfen und hacken
Und kochen und backen.
Ach, daß es noch wie damals wär!
Doch kommt die schöne Zeit nicht wieder her! 


Die Originalfigur der Schneidersfrau ist im Zeughaus (Kölner Stadtmuseum) zu sehen. Die Figur auf dem Brunnen wurde bei Restaurierungsarbeiten nach dem Krieg ganz neu angefertigt.
Interessant finde ich auch die Erklärung, warum die Figur der Schneidersfrau nicht hässlich sondern eher hübsch dargestellt wurde: 
Da, wie oben erwähnt, der Verfasser der Heinzelmännchenballade ja eigentlich dagegen war, dass den Handwerkern die Arbeit abgenommen wurde, war die Schneidersfrau schließlich diejenige, die dafür gesorgt hat, das alles wieder beim alten war und dass jeder wieder selber seiner Arbeit nachging.

Um diese Sympathie der Schneidersfrau gegenüber auch auszudrücken, wurde sie von den Bildhauern  Edmund und Heinrich Renard eben als eine attraktive Frau dargestellt. 
Natürlich ganz im Gegensatz zu den Leuten, die die Heinzelmännchen lieber wieder im Einsatz sehen würden. Die stellen die Schneidersfrau nämlich eher als Hexe dar. 

August Kopisch war übrigens nicht der erste, der über die Heinzelmännchen geschrieben hat. 1826 hat der Kölner Schriftsteller Ernst Weyden sie schon in seinem Buch Cöln's Vorzeit. Geschichten, Legenden und Sagen Cöln's erwähnt.    

Kommentare:

  1. die Heinzelmännchen sind echt süß ;)
    Sehr interessanter Beitrag.

    Sonnige Grüße
    Sandra

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  2. Danke Sandra:)Ja, manchmal wär`s schon schön, wenn sie wieder da wären ;)

    Dir ebenfalls sonnige Grüße und einen guten Start in die Woche.

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  3. "Als Kind hab........." wie du siehst Monika, ich bin wieder bei dir gelandet. ;)
    So hätte ich sicher auch meinen Kommentar angefangen, jetzt mache ich das aber nicht.
    Neugierig wie ich bin, habe ich zuerst auf den Link vom Urania Kino geklickt.
    Incl. meiner innerlichen Recherchen hat mich das etwas Zeit gekostet.
    Ich melde mich in Kürze wieder.

    Angenehmen Samstagabend DIR

    Ist der "dicke Hals widder wäck"?

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    1. Oh, das kenne ich nur zu gut. Da will ich etwas lesen oder recherchieren und dann ist irgendetwas so interessant, dass ich mich (nur mal kurz) nach weiteren Informationen durchs Netz klicken möchte. Nach einer Stunde bin ich dann total vom Thema abgekommen, hab 10 neue Punkte auf meiner muss-ich-noch-nachsehen-Liste und das ursprüngliche Thema ist irgendwie abhanden gekommen :).

      Liebe Grüße und einen schönen Abend
      Monika

      Meinem Nacken geht es etwas besser. Darf nur nicht zu lange am PC sitzen. Tut allerdings auch mal gut :)

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  4. so, da bin ich nochmal und schön dass es dir wieder etwas besser geht.
    Freut mich.

    un jetz schödd d'r eetz ruhisch noch e Tässje Kaffee en. ;)
    Das mit den Rentnern und der Zeit, muss ich ja jetzt nicht nochmal bringen. ;)
    Jläuv och suwiesu keiner mieh. Das ist aber "jefühlt" wirklich so.

    Den Abstecher zum URANIA musste ich einfach vorziehen.
    War auch nicht "ömmesönz". Ist einfach ein schönes Wort ne. :))
    Habe nämlich dort erfahren, dat dämm Arthur Brodmeyer (met dämm ben isch streckenweise
    en de Schull jejange) singen Bap un och singen Jrooßvatter,
    Arthur met Vürnamen heißen däten.
    Sescher nit us Phantasielosigkeit, sondern mieh us Tradition, nemmen isch stark aan.
    Dat nur su koot nevenbei.

    Nun aber zu den Heinzelmännchen.
    ZITAT:
    "Und gossen und panschten
    Und mengten und manschten.
    Und eh der Küfer noch erwacht,
    War schon der Wein geschönt und fein gemacht"!

    Dieser Spruch und die dazu gehörige Bildtafel müsste, wie ich vermute,
    aber schon einige Jahre älter als der eigentliche Brunnen sein.
    Wie mir scheint, ist das die erste Anleitung zur Herstellung von Vino rosso,
    so ca. 80 -100 nach Chr. Geb. Also us dä Zick, wo dat domolije Kaff noch Colonia heißen dät.
    Leider etwas frei und locker aus der italienischen Sprache übersetzt .

    (Es gab übrigens zu dieser Zeit noch keinen Google translater).
    Un Prosecco kohm suwiesu eetz vell späder eruss.
    Internet war nämlich nicht immer, das nur am Rande für die Jüngeren unter uns. ;)

    Und von Herrn Antwerpes konnte diese Herstellungsanleitung auch nicht stammen,
    zu der Zeit war der nämlich selbst noch in einer liquiden Konsistenz.

    Un wenn ich mir jetzt "esu vorstellen täte", die Geschichte der Heinzelmännchen
    wäre in der Jetztzeit abgelaufen,
    dann müsste sie zwangsläufig "Story" heißen und dazu auch noch cool sein.
    Sie wäre dann natürlich auch leider nicht mehr in Stein gemeißelt,
    sondern irgendwo im weltweiten Netz gepostet worden.
    Und die bedauernswerten Purzelbaum schlagenden Männlein,
    hätte man als total hippes Video Happening bei Youtube eingestellt.
    Auch kann ich mir gut den "shitstorm" vorstellen, den die nette Schneidersfrau getroffen hätte.
    Das wäre dann aber sicher ausschließlich von Männer getextet worden,
    die doch tatsächlich jetzt noch daran glaubten,
    die kleinen Männlein würden Samstags immer ihr Auto waschen. Dumm gelaufen :))

    ZITAT:
    "Um diese Sympathie der Schneidersfrau gegenüber auch auszudrücken,
    wurde sie von den Bildhauern Edmund und Heinrich Renard eben
    als eine attraktive Frau dargestellt."

    Ohne hier jetzt als sexistisch dastehen zu müssen, möchte ich noch abschließend feststellen,
    Junge, (also, ich meine jetzt die Bildhauer) hadder joot jemaat.
    Als MaNN weißm'r tereck wom'r hinluure muß. Danke !

    Eine angenehme neue Woche wünscht

    Manni

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    1. Ach Manfred, ich liebe deine Kommentare :)
      Warum schreibst du eigentlich keine Geschichten?

      Hier habe ich übrigens noch ein Foto vom Urania Kino. So sieht es heute aus :(

      https://www.facebook.com/KoelnerEcken/photos/a.153486541457409.34736.147356565403740/558311797641546/?type=3

      Liebe Grüße Moni

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  5. Morjen Monika,
    danke dir für dein Kompliment.

    Dat bruch nämmlisch jeder ens, ne ! ;)
    Un deshalb möchte ich dir auch gerne den Grund schreiben
    warum das hier so gut klappt und auch so viel Vergnügen bereitet,
    denn:

    "DAT ES NE JOODE LAADE HE"

    Tschüss Moni, bes neulisch.........Manfred

    PS

    "https://www.facebook.com/KoelnerEcken/photos"________bis dahin funktioniert das noch!
    Der Rest leider nicht mehr. Das liegt wohl daran, dass Google oder Firefox diese langen Links
    nicht akzeptieren. Habe ich schon mehrfach erlebt, sogar mit Erklärung von Google dabei !

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